Schlips noch da! Job weg! (Nachricht A 2016/011)

Arbeitsrecht LogoAuf Karnevals-Partys soll der Frohsinn regieren!

Was jedoch, wenn der Kollege den Spaß nicht versteht und überreagiert? Allgemein anerkannt ist, dass auf betrieblichen Feiern nicht immer alles Bierernst ist und die Grenzen zum noch erlaubten Verhalten weiter gezogen werden müssen, als während einer üblichen Dienstverrichtung. Aber auch hier gibt es rechtliche Grenzen, welche ein Arbeitnehmer nicht überschreiten sollte.

In der Sache Landesarbeitsgericht Düsseldorf 13 Sa 957/15 hatten sich I. und II. Instanz mit dem Teilnehmer einer betrieblichen Karnevalsveranstaltung zu beschäftigen, welchem das Brauchtum im Rheinland nicht wirklich geläufig war und der so gar keinen Spaß verstehen wollte.

Als ihm nämlich mehrere nette Kolleginnen seinen Schlips abschneiden wollten, drehte der Einkaufssachbearbeiter der beklagten Arbeitgeberin durch. Um das gute Stück behalten zu dürfen, trat er um sich, schüttete sein Bier in das Gesicht eines anderen Kollegen und stieß abschließend das Glas derart in das Gesicht dieses Kollegen, dass das Glas splitterte.

Der Arbeitgeber sprach die außerordentliche fristlose Kündigung aus.

Zu recht, wie nun das Landesarbeitsgericht Düsseldorf bestätigte. Der Arbeitnehmer könne sich auch nicht darauf berufen, dass er weder die karnevalistischen Traditionen kannte, noch dass er unter Angststörungen litt. Vorliegend half dem Arbeitnehmer auch nicht der Sonderkündigungsschutz eines schwerbehinderten Menschen.

Arbeitnehmer sollten also bei entsprechenden Veranstaltungen mit dem Brauchtum bekannt machen, oder doch lieber der Feier fern bleiben, wenn das so für sie nichts ist.

Ob Gerichte außerhalb des Rheinlands den Wert des Schlipses höher einschätzen würden, muss offen bleiben.

Signatur Artikel Björn-M. Folgmann

Pressemitteilung LAG Düsseldorf 13 Sa 957/15

 

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